Selbstverständnis des Rhenser Mineralbrunnens

Der Rhenser Mineralbrunnen blickt auf eine lange Tradition zurück und war bereits im Mittelalter bekannt. Die älteste Urkunde ist das Tagebuch eines Nürnberger Großkaufmanns aus dem Jahre 1577, der auf einer seiner vielen Studienreisen auch durch Rhens kam und den „Sauerbrunnen" beschrieb. Eine zweite Urkunde über den Mineralbrunnen hinterließ der bekannte Wormser Arzt und Bäderschriftsteller Jakobus Theodorus Tabernaemontanus (heute würden wir sagen Jakob Theodor aus Bergzabern). In seinem im Jahre 1584 erschienenen Buch „New-Wasserschatz" beschrieb er die romantische Lage des Brunnens und seine Wirksamkeit.
Die schon damals sehr bekannte Quelle wurde lange Zeit nicht industriell ausgewertet. Das Jahr 1784 wurde der Rhenser Quelle zum Schicksal. Bei einem enormen Hochwasser („Jahrtausendhochwasser") wurde auch die Quelle zugeschüttet und ging zunächst verloren. Christian von Stramberg hat jedoch im „Rheinischen Antiquarius" die genaue Lage des „Heilborn" nahe beim Königsstuhl, geschildert. Erst im Jahr 1857 erinnerte man sich dann der Rhenser Mineralquelle. Die Mineralquelle konnte wieder freigelegt werden und nach 73 Jahren endlich wieder sprudeln.

Beginn der industriellen Verwertung
Im Jahre 1862 kaufte Heinrich Schwarz, ein Abteilungsbaumeister bei der Rheinischen Eisenbahngesellschaft, vom Königlich Preußischen Staat die Quelle und das dazugehörige Gelände für 275 Taler. Heinrich Schwarz begann nun mit der wirtschaftlichen Nutzung der Quelle, die zunächst im einfachem Handbetrieb erfolgte. 1870 betrug der Jahresabsatz ca. 30.000 Gefäße, d.h. Tonkrüge aus dem Kannebäckerland, die in Weidenkörbe verpackt wurden. Im Jahre 1880 wurde dann bereits ein Jahresabsatz von 500.000 Gefäßen erreicht.
Am 7. April 1883 ging die Firma an den Bergwerksbesitzer Victor Meyer und seine beiden Söhne Fritz und Carl Meyer aus Limburg über, die sich in Folge beachtlich aufwärts entwickelte. Im Jahre 1887 konnte ein Absatz von über 1 Million Gefäßen erzielt werden.

Aufschwung nach der Jahrhundertwende
Im Jahre 1902 war der Rhenser Mineralbrunnen auf der Düsseldorfer Gewerbeausstellung vertreten, wo ein aufgestelltes Großmodell des Rhenser Königsstuhles gehörige Beachtung fand. Im selben Jahr wurde das Rhenser Mineralwasser mit der königlich-preußischen Staatsmedaille ausgezeichnet.
Nach der Jahrhundertwende errichtete die Firma eine amerikanische Niederlassung in New York, die jedoch während des zweiten Weltkriegs nicht mehr aufrechterhalten werden konnte. Auf Ausstellungen wie z. B. in Louisiana bei St. Louis (USA) und in Buenos Aires (Argentinien) wurde das Rhenser Mineralwasser preisgekrönt.
Im Jahre 1922 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und die Aktien an der Börse in Frankfurt a. M. eingeführt. Die Zeit bis zum Ende des ersten Weltkrieges war dem Aufbau des Unternehmens gewidmet. Die politische und wirtschaft.liche Lage der Jahre nach 1918 legte die Ausdehnung durch neue Produktionsstätten erforderlich. Nach dem Erwerb weiterer Brunnenbetriebe in Deutschland wurde 1949 der Name „Die blauen Quellen" in den Namen der Firma aufgenommen.

Die Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg
Der zweite Weltkrieg gab der erfolgreichen Aufwärtsentwicklung einen Rückschlag. Betriebsgebäude, Maschinen und Geschäftsausstattung gingen verloren. Auch zwei eigene Rheinschiffe wurden durch Bombenangriffe versenkt.
Nach Wiederaufbau erreichte der Rhenser Mineralbrunnen erneut einen schnellen Aufschwung und verzeichnete 1958 als größte Tagesproduktion wieder 375.000 Füllungen und eine Jahresproduktion von 40 Millionen Flaschen. Man nahm eine führende Position in der deutschen Getränkeindustrie ein. Neben dem Kernabsatzgebiet Rheinland und Ruhrgebiet wurden die Getränke aus Rhens in fast alle Gebiete der Bundesrepublik, nach den Nordsee-Inseln, in die meisten deutschen Großstädte und sogar in das Münchner-Haus auf der Zugspitze versandt. Außerdem exportierte man in viele europäische Länder und sogar nach Übersee. 1958 war der Rhenser Mineralbrunnen auf der Weltausstellung in Brüssel vertreten. Auch die folgenden Jahre waren für das Unternehmen erfolgreich und expansiv.

Im Jahr 1974 erfolgte die Übernahme der Blaue Quellen AG und damit auch des Rhenser Mineralbrunnens durch den Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé. Die Beliebtheit und der Konsum von Mineralwasser in Deutschland wuchs von Jahr zu Jahr, wovon auch der Absatz des Rhenser Mineralbrunnens profitierte.


Zurück in der Eigenständigkeit: Neue Impulse
Zu Beginn des Jahres 2006 wurde der Rhenser Mineralbrunnen wieder eigenständig und im Rahmen eines Management Buy Outs durch die beiden ehemaligen Nestlé-Vorstände Dr. Hans-Achim Daschmann und Egon Heckmann übernommen. Mit einem erfahrenen Management-Team und motivierten Mitarbeitern werden mit regionalem und überregionalem Fokus wieder deutliche Akzente im Markt gesetzt. Eine moderne Hochleistungs-Füllanlage bietet ab März 2006 die Möglichkeit, die Rhenser Mineralwasser-Produkte auch in der leichten PET-Mehrwegflasche anzubieten. Zudem rundet ab Januar 2007 auch eine PET-Einweg-Anlage das Angebot ab und man kommt so allen Wünschen der Kunden und Konsumenten nach.